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Erde und Feuer

Erde und Feuer

 

Eine gute Bonsaischale sehe ich nicht, ich spüre sie. Würde ich sie auf Anhieb sehen, wäre sie nicht gut. Schalen stehen zum Bonsai wie ein Rahmen zum Bild. Eins kann auf das andere nicht verzichten, darf aber nicht miteinander konkurrieren. Das Bild wie der Baum stehen immer im Vordergrund. Rahmen wie Schale vervollkommnen nur.

 

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 In  Europa hat weder das Keramikhandwerk noch die Keramikkunst je den Status erreicht wie in Japan. Dort gibt es zum Beispiel Töpfer, die als „Lebende Denkmäler“ vom Staat zeitlebens gefördert und unterstützt werden. Der 88jährige Töpfer Toyza Arakawa (Shino) bekommt vom Staat eine jährliche Leibrente von 12.500,- Euro, damit er die Töpferkunst erhält und an kommende Generationen weitergibt. Handwerker wie Künstler ringen bei uns meist um die nackte Existenz, von Anerkennung ganz zu schweigen.

 

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Alte japanische Schale

 

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Alte japanische Schale

 

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Alte japanische Schale

 

Industriell hergestellte Keramik und Porzellan haben dem traditionellen wie moderneren Keramiker die Grundlage genommen, seine Kunst in angemessenem Zeitraum zu Reife und Anerkennung zu bringen. Vom Preisgefüge her ist er gezwungen, quantitativ zu töpfern. Dies wiederum gibt ihm wenig Spielraum zu experimentieren, meist lässt dadurch die Qualität auch nach. Aus diesem Grunde gibt es nur wenige professionelle Töpfer, die das Wagnis eingehen Bonsaischalen zu töpfern. Hinzu kommen noch andere Schwierigkeiten. Bonsaischalen lassen sich nicht auf der Drehscheibe herstellen (außer den runden, das ist aber die Form, die am wenigsten gebraucht wird). Man kann sie zwar in Formen gießen oder aus gepressten Teilen montieren, was immer noch als handgemacht dasteht, ihnen fehlt aber das Flair einer von Grund auf nur mit der Hand gefertigten Schale.

Solche nur von Hand aufgebauten Schalen verlangen vom Töpfer großes handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen in die Bonsai-Ästhetik.(Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, hier näher auf die großen manuellen und technischen Schwierigkeiten einzugehen.) Solche Schalen, japanische wie deutsche im Fachhandel oder bei einigen wenigen Töpfern in Europa zu bekommen, haben natürlich auch aus vorgenannten Gründen ihren Preis.

 

In Japan werden übrigens für gute handgefertigte Schalen 4stellige Summen bezahlt. Handgefertigte Bonsaischalen sind nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sie tragen auch fast immer eine künstlerische Aussagekraft in sich. In Verbindung mit dem Bonsai wird diese Schale eine optische Symbiose eingehen. Manchmal haben Schalen für den Töpfer wie für den Schauenden eine „Seele“. Ab und zu gelingt eine besonders, die dem japanischen Gefühl von Wabi und Sabi nahe kommt.

 

Am Zustandekommen solcher Schalen ist nicht nur der Töpfer verantwortlich. Erde, Luft, Feuer und der große Geist, von dem alles Seiende ausgeht, sind wesentliche und anzuerkennende Faktoren für den Töpfer. Für die meisten Bonsai eignen sich die im Bonsai-Fachhandel angebotenen japanischen und chinesischen Schalen hervorragend. Die Formen dieser in Massen hergestellten Schalen sind durchweg gut. Auch der Preis steht im angemessenen Verhältnis zur Qualität. Häufig lässt nur die Glasur, ein wesentlicher Punkt, zu wünschen übrig. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Hat man etwas Auswahl, so finden sich unter den Schalen gleicher Form und Glasur doch manchmal kleine Unterschiede. So würde ich zum Beispiel Glasuren mit kleinen Fehlern (wie Glasurnasen oder Lufteinschlüssen) einer monotonen und gleichmäßigen Glasur vorziehen.

 

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Die Glasuren

Die Glasuren sollten sein wie der Baum. Ist der Baum noch jung, verwende ich für die Schale eine frische Glasur. Ist der Baum alt, muss die Glasur besonders sorgfältig ausgewählt werden. Sie sollte die Farbe der Patina am Stamm und die Farbe der Blätter widerspiegeln oder im harmonischen Farbenspiel zueinander stehen. In jedem Fall aber, ob leichte oder schwere Glasur, sie muss im Farbton leise sein, zurückhaltend und dezent unterstreichend.

 

Manchmal können Glasuren aussehen als seien sie mit dem Baum alt geworden. Glasuraufbrüche sehen dann wie die Rinde von Bäumen aus, die über Jahrzehnte hinweg den Unbilden der Natur getrotzt haben.

Lufteinschlüsse sehen dann aus wie Narben in der Rinde. Hierfür eignen sich besonders Steinzeug-Glasuren mit ihren matten, stumpfen Farben.

 

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Frische Glasuren können Eindruck von Frühling erwecken und ein gelassenes Stimmungsbild erzeugen. Sie eignen sich besonders für junge Bonsai oder zart wirkende Bäume wie Zelkoven und Birken.

 

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Hellgrün bis dunkelgrün erinnern uns an das Farbspiel des Mooses.

 

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Hellblaue bis dunkelblaue Glasuren  assoziieren  einen stillen See oder eine Meeresbucht, Glasurschwankungen an das Spiel der Wellen. Solche Farbtöne eignen sich besonders für Ishitsuki-Formen (Steinpflanzungen). Hier steht nur der Fels in der Schale. Der Baum umklammert den Fels oder wächst über ihn hinab in die Tiefe.

 

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Glasierte wie unglasierte Schalen können manchmal kleine Fehler, ja sogar leichte Verformungen  aufweisen. Sie erinnern und mahnen uns aber, wie nahe Irdenes doch eigentlich der Erde ist.

 

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 Brandarten

 

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten eine unglasierte Schale zu brennen, den Reduktionsbrand  und den Oxidationsbrand. Der Reduktionsbrand findet in einem Ofen mit offener Flamme statt. Dabei wird der gesamte Luftsauerstoff von der Flamme verbraucht, es kommt also kein Sauerstoff an den Ton. Der Oxidationsbrand findet in einem Elektroofen statt. Hier kann dann der Sauerstoff  mit dem Ton reagieren. Das Ergebnis ist bei gleichem Ton verschieden. Im Wechselspiel des Feuers beim Reduktionsbrand entstehen Verfärbungen des Naturtons, die den Reiz der Oberfläche erhöhen. Ich brenne meine Schalen im Oxidationsbrand bei ca. 1220° C. Bei dieser Temperatur werden die Schalen wasser-, stoß- und frostfest. Daher kommt es auch nicht zu Ausblühungen, wie bei niedrig gebrannten Schalen. Unglasierte Schalen eignen sich besonders für alle Kiefern-, Fichten- und Wacholderarten.

 

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Peter Krebs

 

 

Fotoquelle: Bild 1-2-3-4-5-7-12-17-24-29  BONSAI ART AUCTION Japan

 

Fotoquelle: Bild 6-8-9-10-11-13-14-15-16-18-19-20-21-22-23-25-26-27-28 Peter Krebs

 

Bonsai Schalen Nr. 6-8-10-11-13-14-15-16-18-19-20-21-22-23-25-26-27-28 sind Krebsschalen

Oxidationsbrand bei ca. 1220 Grad gebrannt.

 

 

 


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