Diese Seite drucken

Fu, archaisch

Fu, archaisch

Wiederhall einer längst vergangenen Zeit, archaisches Spiegelbild von hunderten von Töpfergenerationen. Geheimnisvolles Schweigen, und doch überschwänglich voll Symbolik. Geschichten, die nicht mehr erzählt werden können, verloren gegangen in der Zeit. Das Sichtbare ermahnt und erinnert an all das, was man Wurzeln nennt.

So sollte das Sichtbare bewahrt werden, um das zu finden, was im Dunklen ein Teil von uns heutigen Töpfern ausmacht.

Es ist die Ehrung, Anerkennung, das in sich tragen all dieser Tongeschichten. Das Wandeln von Erde in Gefühle, Wünsche und Kunst, die mich fasziniert, wenn ich Ton in die Hand nehme.

Diese kleine Schale trägt all dies in sich und hat mir etwas von dem gezeigt, von dem ich träume und hoffe, dass es noch in vielen Generationen weiterlebt.

Hier drei alte Schalen, wahrscheinlich aus der gleichen Töpferei. Sie stammen aus der Provinz Canton, China. Ihr Alter beträgt ca. 100 bis 150 Jahre.

Sie wurden in Aufbautechnik (Wulst – oder Würstchentechnik) hergestellt. Als Grundform wurde wohl eine alte Holzform benutzt. In ihr wurde durch Einpressen des Tonstranges die Grundform erstellt. Auf der Innenseite der Schale ist noch genau die Textur der Wulsttechnik zu erkennen. Von außen wurden die Schalen mit einem Paddel bearbeitet und glatt gestrichen.

Auf die achteckigen Schalen wurden anschließend reliefartig Pflanzen – und Tierbilder aufgearbeitet. Danach wurden sie von außen schwarzbraun engobiert und teilglasiert. Die aufgekrustete , mit der Hand gestrichene Glasur verfärbte sich nach dem Brand, dort wo sie Glasurnasen bildet, schwärzlich blau. Die Schalen haben acht sich nach oben hin verbreitende Treppenfüße. Die Größe der Schalen beträgt ca., 30 cm x 30 cm x 20 cm. Auf den vier breiten Seiten der Schalen sind Blumen, Gräser, Auberginen, Schmetterlinge und Libellen abgebildet.

An den vier Schmalseiten der Schale sind einmal mit dem Kopf nach oben und einmal mit dem Kopf nach unten hängende Fledermäuse angebracht. In China steht die Fledermaus als Synonym für Glück, Fledermaus „Fu“ ist gleich lautend wie „Fu“ gleich Glück. Man wünschte mit dem Fledermausdekor Glück. Alle vier Fledermäuse sind in einer Form hergestellt und anschließend, wie die anderen Figuren, auf den lederharten Ton montiert worden.



Es ist anzunehmen, dass diese Schalen aus einer Serienproduktion stammen. Alle Schalen weichen nur in so fern von einander ab, als dass ein anderes Bildmotiv aufgearbeitet wurde. Wahrscheinlich gab es in dieser Töpferei für den einzelnen Töpfer größere Freiheiten noch selbst die Motive zu wählen.

Eine Seite dieser Schale zeigt eine Lotospflanze und eine Ente oder Gans. Der Lotos ist das Symbol für Erleuchtung. Die Wurzeln, die im Schlamm wachsen, stehen für menschliche Verstrickungen und Leidenschaften. Blätter und Blüten, die sich der Sonne öffnen, stehen für die Reinheit.

"Ya" (chin.), die Ente ist in der Symbolik Chinas nicht so gut besetzt. Die Deutung auf dieser Schale könnte bedeuten "Mögest Du die Prüfung gut bestehen" oder sie steht hier für das "eheliche Glück".

Sollte es sich hierbei um eine Gans handeln, dann bedeutet es "Die fliegende Wildgans möge die Jahre verlängern"

Hier meine im Versuch nachgetöpferte Schale. Sie soll hier nicht im Vergleich zu den Originalschalen stehen, sondern es ist ein tiefes Nachempfinden und sich Hinein fühlen in eine Zeit, die längst vergangen ist, und trotzdem was die Materialien "Erde und Feuer" betrifft, immer noch top aktuell ist.

Interessant sind die offen stehenden Mäuler der Fledermäuse, sie haben aber einen ganz praktischen Grund. Das Aufarbeiten solch dicker Motive birgt die Gefahr, dass sie während des Brennens explodieren können. Durch das Öffnen der Mäuler können jetzt eventuell vorhandene Luftblasen besser entweichen und somit die Gefahr mindern.

Größe der Schale: 29 cm x 29 cm x 19 cm - getöpfert: 3. Juni 1990


Previous page: Legends and Dreams
Nächste Seite: Fu, archaic