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Orte der Stille

Wenn man, ohne nach rechts oder links zu schauen seinen Weg geht, ist das für mich ein sich nicht Weiterentwickeln. Die Fähigkeit zu gestalten und sich auszudrücken steckt in jedem Menschen, aber nicht alle realisieren sie. Ich interessiere mich für vielerlei Dinge, z. B. außer dem Töpfern natürlich, für asiatische Kunst, ausgefallene Musik z. B. von Arvo Pärt, alles was mit Fitnesssport zu tun hat bis hin zum medizinischen Bereich, und vor allem auf für Gartenbau.

Manchmal werde ich gefragt, was das denn mit Keramik und dem Töpfern zu tun hat.  Ich denke, alles hat mit allem etwas zu tun. Alles zusammen entspricht der geistigen und körperlichen Entwicklung.

Männer bleiben immer kleine Jungs, die gerne spielen. Ich spiele gerne im Garten. Da diese Möglichkeit im eigenen, nicht vorhandenem Garten nicht realisierbar ist, spiele ich gerne in anderen Gärten, so bin ich zum Gartenbau gekommen.

 

 -  ORTE DER STILLE -

In einer Zeit, in der alles minutiös geregelt, Tagesabläufe genormt, selbst Kreativität zu Stress wird, ist es von allerhöchster Bedeutung Orte oder Räume aufzusuchen, in denen Ruhe, Entspannung und Harmonie zu finden sind, oder wie man sagt, in denen man seine Seele baumeln lassen kann.

Ein Garten zum Beispiel kann den Bedürfnissen des heutigen Menschen überraschend nahekommen. Er kann ein Ort des Friedens, ein Quell neuer Kraft für Leib und Seele sein. Sich solch ein Refugium zu erschaffen, bedarf es einer genauen Analyse und Vorbereitung. Man muss sich darüber klar werden, was man mit dem Garten erreichen will. Es gibt in diesem Bereich viele Ausdrucksmöglichkeiten, vom Rokoko bis zum Bauerngarten.

In unserer Kultur ist er neu, obwohl er schon tausende von Jahren Menschen bekannt ist, - der Meditationsgarten -. Spricht man von diesem Garten, so glauben viele, es handelt sich hier um etwas geheimnisvolles Exotisches, dass eigentlich nur im asiatischen Raum zu Hause und mit  Tradition und Religion behaftet ist. Beschäftigt man sich erst einmal tiefer mit dem  "MEDITATIONS- oder auch JAPANGARTEN", so ist man total überrascht, wie vertraut einem die Architektur, Aufbau und Inhalt, die Elemente Stein, Sand, Moos, Pflanzen, Bäume und Wasser in ihrer Zusammenstellung sind. Alles sind Elemente, die nicht typisch chinesisch oder japanisch sind. In der Betrachtung dieser Gärten kommt man unweigerlich in einen körperlichen und geistigen  Ruhezustand. Hier liegt der Schlüssel zum geistigen Tor  dieser Gärten. Sie strahlen eine "UNIVERSAL-Ästhetik" aus. Diese Ästhetik wird von allen Menschen gleichermaßen verstanden, weltweit. Jeder hat Zugang in diese Naturästhetik, jeder kann sie auf seine Weise verstehen und über das Auge in eine Welt eintreten, deren Vertreter auch er mit Leib und Seele im Makro- wie im Mikrokosmos ist. An solchen Kraftorten sieht der Mensch alle Dinge des Lebens gespiegelt. Er sieht die Gezeiten im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, Leben und Vergehen gleichermaßen. Hier besinnt man sich dieser Dinge, alles kommt innerlich in einen wundersam ruhigen Zustand. In diesem zeitverlorenen Gefühl beginnt ganz spontan, ohne Zutun, die Kraft des Lebens von außen nach innen zu fließen. Wie in einem erholsamen tiefenSchlaf, aber in einem völlig wachen und konzentriertem Geisteszustand kann Leib und Seele einer Batterie gleich aufgetankt werden.

Der Garten, Meditations- oderJapangarten ist auch Naturerleben auf kleinstem Raum. Schon auf 2m² ist es möglich solch ein Kleinod oder eine Ruheinsel zu gestalten. Innenhöfe sind geradezu prädestiniert für solch einen Garten. Man sollte sich jedoch davor bewahren einen solchen Garten einfach nach japanischem Vorbild zu kopieren. Allzu leicht kann das zu einem Fremdkörper im eigenem Haus werden, der eher Ablehnung als Bewunderung erntet.

Zu den großen Künsten wie Musik, Malerei, Bildhauerei usw. gehört ganz zweifelsohne auch die Gartenkunst. Wie Malen oder Musizieren will auch die Gartenkunst erlernt werden, Intuition ist hier eine Gnade. So wird der erfahrene Gartenbauer das Umfeld des Gartens mit einbeziehen. Landschaft und Haus bilden so eine harmonische Einheit mit dem anzulegenden Garten. Nützlich sind hier Kenntnisse aus der chinesischen Malerei: "das von oben Herabsehen oder von unten Heraufsehen sind wichtige kompositorische und raumerzeugende Methoden im Gartenbau". Nicht zu vergessen die Menschen, die hier wohnen. Ältere Menschen zum Beispiel wünschen oft einen Garten, der keiner großen Pflege mehr bedarf. Alles muss stimmig sein.

Hier einige ausgesuchte Bilder von großen und kleinsten Gärten, die ich in den letzten Jahren gebaut habe. Diese Gärten wurden eigens von mir und dem Besitzer alleine gebaut, ohne großes Equipment.  

Foto: Helmut Rüger

Foto: Helmut Rüger

Foto: Helmut Rüger

Foto Helmut Rüger

Foto: Helmut Rüger

Diese Fotos zeigen den "Garten der fließenden Steine"

- Ohne Anfang sein kommen

ohne Ende sein gehen

Fluss im Bambushain -

Es handelt sich hier um einen Trockenfluss. Das Geheimnis liegt hier in der Steinsetzung. Einmal ist der Fluss so angelegt, dass er unter einer imaginären Brücke hervortritt und in einer Höhlung verschwindet, also, - ohne Anfang und gehen. Das zweite ist, ich habe die großen Kieselsteine hochkant versetzt, und in jeder Biegung des Flusses wechseln die Steine ihre Richtung. Das Spannende hierbei ist, egal wo man steht und schaut, es gibt immer optisch ein anderes Fließbild.

 

 

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Hier einige Fotos von dem Bau eines Gartens in den einzelnen Abschnitten. (es gibt über 200 Fotos)

So habe ich den Garten vorgefunden.

Dieser Garten soll zum Außenbereich eines Reiki- und Joga-Treffpunkt gehören und auch dort genutzt werden. Die einzigen Vorgaben des Gartenbesitzers waren, dass ein Holzdeck, auf dem man Jogaübungen praktizieren kann, und in welcher Form auch immer, ein "Yin-Yang Symbol.

Als erstes muss immer ein Gartenplan gezeichnet werden.

Dann geht es los mit den einzelnen Bauabschnitten.

Ich habe das "Yin-Yang"  Symbol in eine Treppe eingebaut.

Das Holzdeck für die Jogaübungen wurde eingebaut.

Wasserfall mit kleinem Auffangbecken.

Kleine Brücke über eine Trockenfläche.

Die erste kleine Feier.

Jetzt müssen mindestens 10 Jahre vergehen, bis der Garten nicht mehr so neu aussieht.

Die Natur wird das Werk vollenden.

Peter Krebs