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Windland

 

 

 

Ich lebe in einer Landschaft, die den Stoff birgt, von dem gesagt wird, dass der Mensch aus ihm erschaffen wurde. Ein Stoff, von und mit dem die Menschen hier Jahrhunderte gelebt haben, der ihren Alltag geprägt hat und zu einem Teil ihrer Kultur wurde. Der Stoff, den ich meine, heißt Lehm oder heute gebräuchlich Ton. Die Erde in dieser Landschaft birgt auch heute noch diesen kostbaren Rohstoff. 

 

Hier liegt der Stoff aus dem die Schalen sind... 

 

...eine Handbreit unter der Erde verborgen

 

 

Die Töpferkultur aber, von der einst viele Menschen, ja sogar ganze Dörfer hier gelebt haben, ist unwiederbringlich dem Vergänglichen zugefallen. Ich lebe und wohne am Fuße des Windlandes (der Westerwald); eine Landschaft, von der es im Volksmund heißt, es sei eine arme und kärgliche Landschaft (bezogen natürlich auf die Menschen, die hier lebten). Denn die Landschaft hier, vom Tourismus fast noch unentdeckt, ist lebens- und liebenswert. Der Geist der schlichten Keramik, die hier entstand, ruht nun schon fast vergessen in den Vitrinen einiger weniger Sammler.

Eine Schale, aus der man nicht trinkt, eine Schüssel, aus der man keine Suppe schöpft, ist nicht von dem durchdrungen, was das „unmittelbare Leben“ so unendlich bereichert. Erst der Gebrauch solcher Keramik erfüllt und durchdringt diese auch mit Leben. Über einen langen „geistigen Umweg“, falls es den gibt (hobbymäßiges Studium japanischer Philosophie, japanischer Keramik und Kunst, Judo und nicht zuletzt Bonsai), erkenne ich heute, dass all das, was ich in der japanischen Kultur sehnsüchtig und bewundernd gesucht hatte, auch unmittelbar um mich herum landschaftlich wie menschlich gleichwertige Bedeutung hat. ZEN, sprich unmittelbares Leben, wie auch Keramik, Bonsai usw. haben nur Bestand im frischen, unbelasteten „jetzt und hier“. Tradition und Gegenwart, gelebt im Bewahren und Neuentwickeln, ist für mich heute die Symbiose, die östliches und westliches vereint, lebenswert macht, JETZT und HIER.

  

 

 … IMPRESSIONEN … aus dem Windland (Westerwald)

 

 

Das Windland ist kein Gebirgsland mit schroffen Bergkolossen und dunklen Tal Schluchten, die die Seele der Menschen ängstigen. Berg und Fläche berühren sich in einer harmonisch ausgeglichenen Mischung. Im anmutigen Wechsel liegen vielhundert Berge, Hügel und Seen eingebettet im dichten Pelz der Wälder. Das Klima ist eher rau und erfrischend. Der Winter dauert lange und die Spätfröste halten weit in den Frühling, oft bis Ende Mai an. 

 

 

Im Sommer aber liegen die weitläufigen Wiesen und Felder mit ihren dominierenden „Hütebäumen“ im hellen Sonnenlicht. Die Luft ist vom Feinsten, rein und gesund. Die Hänge der „Hauberge“ sind im Frühsommer blau von Heidelbeeren. Schön ist es im leise streichelnden „Wäller-Lüftchen“ eines hellen Sommertages hier zu wandern. Verwunschene Plätze laden zur Meditation ein, Seele und Geist kommen zur Ruhe.

  

 

 

Hier wird die Seele frei. 

 

 

Hütebäume bieten seit vielen Dekaden Unterstand für das Vieh. 

 

  

Ein kleines Dorf, Berg und Fläche berühren sich harmonisch.

 

 

 

  

Ein verzauberter Ort mit Brunnen mitten im Wald.  

 

  

Ein verwunschener Platz im Nebel. 

 

 

 

 

Peter Krebs

Fotos:  Hans Seehak und Peter Krebs 

 

 

 


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