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Ein Berg bewegt sich nicht

Ein Berg bewegt sich nicht

Die Erkenntnis der drei Stufen zu Bonsai

 

 

In sich selbst ruhend der Berg, nicht Bewegung .Anders der Baum, Bonsai, Bewegung, zur Vollendung bringend die Bestimmung. Anders der Mensch, hin und her schwankend in seiner Suche wie ein Weidenast - nicht wissend über seine Bestimmung. Halt suchend an Dingen, die vergänglich sind .Das Wissen, dass auch mein Sein vergänglich ist, lässt mich die drei Stufen zu Bonsai erkennen. Fließend sind diese Stufen und nicht immer deutlich zu erfassen, abzugrenzen, zu definieren. Tausend Gründe, Hoffungen, Wünsche und Sehnsüchte haben den einen oder anderen Bonsaifreund zu seinem Hobby geführt. Ich möchte den Menschen ansprechen, für den Bonsai mehr geworden ist als ein Freizeit-Hobby, und jene, die wie ich alle Höhen und besonders Tiefen durchlebt haben (und noch durchleben). Die, die befallen wurden vom Virus „Bonsai“.

 

Erste Stufe: Die erste Stufe zu Bonsai ist groß (nicht hoch), für jeden ohne viel Mühe erreichbar. Von dieser Stufe kann man zu jeder Zeit und nach Belieben wieder abspringen. Wollte ich versuchen eine Ordnung, ein System hier einzubringen, wird mir das auf dieser Ebene noch gelingen.

Ein Versuch: Das Kennen lernen von Bonsai, selbst aktiv werden, autodidaktisches Erlernen von traditionellem Bonsaiwissen (Formgestaltung, Pflege und Erhaltung) durch Fachliteratur,  Seminare usw.

 

Fließend ist der Übergang zur nächsten Stufe. Sie ist ohne ständiges Bemühen nicht zu erreichen. Schwer ist es hier zu definieren, deutlich zu machen, was es mit dieser Stufe oder Ebene auf sich hat.

Ein Versuch: Ständiges Weiterbilden, intensivere Beschäftigung mit Bonsai, mit Baumvorbildern, Natur. Ein Aufflackern, ein erstes Erkennen der Zusammenhänge. Ein Erkennen, dass Bonsai mehr ist als Dekoration, Präsentation, Prestige-Besitz usw.. Auf dieser Stufe vernimmt man ein leises Summen, ein Sing-Sang, dem Lied der Erde gleich. Der höchste Punkt auf dieser Stufe wird den Geist befreien, gleich dem Blick von einem Berg.

Ich werde den ersten Schritt zum eigenständigen Handeln tun können. Dieser Schritt weckt unweigerlich das Künstlerische in uns. In der Gestaltung eines Bonsais heißt das, nicht schablonenhaftes Denken und Handeln, sondern das Erkennen des Wesens eines Baumes und ihn nach seiner Natürlichkeit virtuos zu vollenden.

 

 

Fließend ist der Übergang zur letzten Stufe. Nur wenigen ist es vergönnt diese Stufe zu erreichen. Sie bedarf der Anstrengung eines ganzen Lebens, ununterbrochen. War die zweite Stufe schwer definierbar, so entzieht sich diese jeder Interpretation. Unweigerlich kommen Missverständnisse, ja Ablehnung auf, versucht man es mit Worten oder Buchstaben. Trotzdem möchte ich versuchen Worte für diese Ebene ihrer Reihenfolge und Wichtigkeit nach zu ordnen.

 

Ein Versuch: Loslassen; Bonsaigestaltung ohne Bonsai; inneres Gestalten; innerer Garten; weitergehend, weiter gehen…???

 

Ein Mensch, suchend

 

Ein Baum, Bestimmung

 

Ein Berg bewegt sich nicht

 

 

 

Peter Krebs

 

Bäume und Schalen aus meiner Sammlung von 1992

 

Fotos: Helmut Rüger 

 


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